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Editorial

1. Editorial

Die aktuelle Zeitschrift für Zukunftsforschung wurde von uns als Schwerpunktausgabe zum Thema „Soziale Innovationen“ konzipiert – ein nicht ganz einfach umzusetzendes Konzept, wie sich herausstellen sollte.

Innovationen sind wissenschaftlich-technische, ökonomische, institutionelle oder soziokulturelle Neuerungen. Soziale Innovationen im Speziellen beschreiben im weitesten Sinne die Entstehung und Verbreitung neuartiger sozialer Praktiken. Ein genauer Blick auf die vielfältigen Arbeiten, die in jüngster Zeit zu sozialen Innovationen erschienen sind, zeigt in den jeweiligen Fachdisziplinen jedoch große Unterschiede, sowohl hinsichtlich der definitorischen Grundlagen als auch hinsichtlich der Vorgehensweise bei der Bearbeitung des Forschungsgegenstandes.

Die Vielfalt der eingereichten Beiträge zu dieser Ausgabe war entsprechend groß und ihre Heterogenität, in der sich gleichsam auch die Perspektivenvielfalt der jeweiligen Disziplinen widerspiegelt, unter denen soziale Innovationen im spezifischen fachdisziplinären Fokus untersucht und bearbeitet werden, stellte die Redaktion und nicht zuletzt unsere Gutachter vor eine große Herausforderung.

Dennoch: Wir haben die Herausforderung gern angenommen, ist es doch unser originäres Ziel, uns auch über Fachgrenzen hinweg mit relevanten Forschungsergebnissen für die Zukunftsforschung zu beschäftigen. Wir zeigen in dieser Ausgabe aber auch etwas „Mut zur Lücke“. Es mussten Kompromisse geschlossen werden, denn beiden Forschungslinien – der Zukunftsforschung und der Forschung zu sozialen Innovationen – gerecht zu werden erwies sich als überaus schwierig. Aber: Alle in dieser Ausgabe publizierten Beiträge liefern diverse „lose Enden“, die angerissen werden, Fragen aufwerfen (hoffentlich auch bei unseren Leserinnen und Lesern) und damit zu weiteren Analysen und Auseinandersetzungen anregen. Denn auch das ist ein erklärtes Ziel unserer Zeitschrift – gern fordern wir Sie zum Mitdenken und Mitdiskutieren auf!

Wir möchten an dieser Stelle allen Autoren und Gutachtern der aktuellen Ausgabe für ihren unermüdlichen Einsatz danken. Dies insbesondere vor dem Hintergrund der mitunter aufwendigen interdisziplinären Verständigung hinsichtlich des gewählten disziplinären Ansatzes zur Bearbeitung des Schwerpunktthemas soziale Innovationen und den Ansprüchen an Beiträge der Zukunftsforschung im Allgemeinen sowie die in unserer Zeitschrift gestellten Anforderungen im Speziellen. Vielen Dank für Ihre Geduld und das Nicht-Aufgeben!

Wir präsentieren Ihnen in dieser Ausgabe vier sehr lesenswerte Beiträge von Reinhard Hofbauer, Heiko Berner, Michael Hirt et al., sowie Martin Thul et al.

Die Reihenfolge ist inhaltlich bedingt. Reinhard Hofbauers Aufsatz nähert sich dem Leitthema soziale Innovationen eher analytisch, während der Beitrag von Heiko Berner durch einen stärkeren Praxisbezug geprägt ist. Unsere letzten Beiträge gehen beide zurück auf die Suchphase des zweiten Foresight-Zyklus (2012–2014). Michael Hirt et al. stellen in ihrem Beitrag die Projektergebnisse vor und Martin J. Thul et al. das im Rahmen der Evaluation ebendieses Foresight-Zyklus entwickelte Impact-Maturity-Modell.

Das Leitthema der vorliegenden Ausgabe „Soziale Innovationen“ greifen die beiden Beiträge von Reinhard Hofbauer und Heiko Berner auf.

Reinhard Hofbauer widmet sich der Frage, mit welchen Merkmalen der Begriff „Soziale Innovation“ theoretisch bestimmt wird und ob der Terminus Potenzial für einen neuen Leitbegriff mit sich bringt. Soziale Innovationen werden dabei aus der Perspektive neuer sozialer Praxis auf Merkmale wie Neuheit, Intentionalität, Wertbezug und Diffusion hin untersucht.

Heiko Berner untersucht am Beispiel türkischstämmiger Selbstständiger in seinem Beitrag „Soziale Innovation oder sozial innovatives Handeln? Türkischstämmige Unternehmer und Unternehmerinnen in Salzburg“ in welcher Weise migrantische Unternehmen gesellschaftlichen Wandel begleiten und ob sie als soziale Innovationen bezeichnet werden können.

Über aktuelle Forschungsergebnisse und Aktivitäten der deutschsprachigen Zukunftsforschung informieren die Autorenteams rund um Michael Hirt sowie Martin J. Thul:

Michael Hirt, Matthias Braun, Dirk Holtmannspötter, Axel Zweck, Philine Warnke und Simone Kimpeler präsentieren in ihrem Beitrag „BMBF-Foresight-Zyklus II – Vorgehensweise und Ergebnisse“ die Projektergebnisse der Suchphase des zweiten BMBF-Foresight-Zyklus (2012–2014). Ziel war es hierbei zum einen, früh Orientierungswissen über zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen zu erlangen. Zum anderen sollten Ideen für zukünftige BMBF-Strategieprozesse, Forschungsprogramme und Projekte entwickelt werden.

Mit ihrem Impact-Maturity-Modell stellen Martin J. Thul, Judith Hoffmann und Christian K. Bosse ein neu entwickeltes Instrumentarium zur systemischen Wirkungsanalyse strategischer Vorausschauprozesse vor. Das Modell wurde im Rahmen der Evaluation des BMBF-Foresight-Prozesses entwickelt und könnte – so nehmen die Autoren an – nach entsprechender Anpassung in weiteren Anwendungsfällen eingesetzt werden. Der Ansatz kann als Sortierraster für Impacts dienen, möglich ist aber auch die Analyse und Bewertung von Impact-Pfaden.

Und zu guter Letzt: In der Rubrik „Neues aus dem Netzwerk Zukunftsforschung“ berichten wir über die erstmalige Verleihung des Nachwuchspreises, das diesjährige Treffen der Arbeitsgruppe Methoden sowie über den neuen Vorstand des Netzwerks.

Wir wünschen wie immer viel Spaß beim Lesen!

Eva Cebulla, Kerstin Cuhls, Lars Gerhold, Roman Peperhove, Dirk Steinbach, Birgit Weimert, Andreas Weßner und Axel Zweck

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